Impfschutz für Hunde 2026: Was wirklich notwendig ist

Die Impffrage gehört zu den häufigsten, die ich in meiner Praxis gestellt bekomme. Welche Impfungen braucht mein Hund wirklich? Wie oft muss er geimpft werden? Sind jährliche Auffrischungen notwendig? Als Tierärztin möchte ich Ihnen in diesem Artikel einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Überblick über den aktuellen Stand der Impfempfehlungen geben.

Pflichtimpfungen vs. empfohlene Impfungen

In Deutschland gibt es grundsätzlich keine gesetzliche Impfpflicht für Hunde – mit Ausnahme der Tollwutimpfung für Hunde, die in bestimmte Länder reisen sollen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) orientieren sich an den internationalen Leitlinien der WSAVA (World Small Animal Veterinary Association).

Core-Impfungen: Das Basispaket

Die sogenannten Core-Impfungen (Kernimpfungen) werden für alle Hunde weltweit empfohlen, unabhängig von Lebensstil und Region. Dazu gehören:

  • Staupe (Distemper): Eine gefährliche Viruserkrankung, die das Nervensystem befällt. Oft tödlich oder mit bleibenden Schäden.
  • Parvovirose: Hochansteckende, oft tödliche Darmerkrankung. Besonders gefährlich für Welpen.
  • Hepatitis contagiosa canis (HCC/Adenovirus Typ 1): Akute Leberentzündung mit ernstem Verlauf.
  • Tollwut: Zoonose (übertragbar auf Menschen), 100% tödlich, gesetzlich relevant bei Auslandsreisen.

Non-Core-Impfungen: Je nach Risiko

Non-Core-Impfungen werden nur empfohlen, wenn das individuelle Risikoprofil des Hundes dies rechtfertigt:

  • Leptospirose: In Deutschland sehr empfohlen, da Leptospirose hier weit verbreitet ist und auf Menschen übertragen werden kann. Hunde, die Kontakt mit Gewässern oder Nagetieren haben, sollten unbedingt geimpft werden.
  • Bordetella/Zwingerhusten: Empfohlen für Hunde, die Hundeschulen, Tierpensionen oder Hundeausstellungen besuchen.
  • Borreliose: In zeckenreichen Gebieten sinnvoll, jedoch kein Ersatz für Zeckenprophylaxe.
  • Leishmaniose: Relevant für Hunde, die in südeuropäische Länder reisen.

Wie oft muss geimpft werden?

Ein häufiges Missverständnis: Nicht alle Impfungen müssen jährlich aufgefrischt werden. Laut aktuellen WSAVA-Leitlinien 2022 gilt:

  • Grundimmunisierung: Welpenimpfungen mit 8, 12 und 16 Wochen, dann mit 1 Jahr
  • Core-Impfungen (Staupe, Parvo, HCC): Alle 3 Jahre ausreichend bei nachgewiesenem Impftiter
  • Tollwut: Je nach Produkt alle 1–3 Jahre
  • Leptospirose: Jährlich, da der Schutz nicht so lange anhält

Titermessung: Sinnvoll oder Geldverschwendung?

Ein Bluttest zur Messung des Antikörperspiegels (Titertest) kann sinnvoll sein, um zu prüfen, ob Ihr Hund noch ausreichend geschützt ist – bevor Sie unnötig impfen. Dies ist besonders relevant für Core-Impfungen. Ein ausreichend hoher Titer zeigt an, dass keine Auffrischung nötig ist. Der Test kostet je nach Labor zwischen 30 und 80 Euro. Bei gut geimpften, gesunden Hunden ist dies eine kostengünstige Alternative zur routinemäßigen Jahresimpfung.

Impfreaktionen: Was ist normal?

Leichte Impfreaktionen wie kurzzeitige Müdigkeit, geringes Fieber oder eine kleine Schwellung an der Injektionsstelle sind normal und verschwinden meist nach 24–48 Stunden. Ernsthafte Impfreaktionen (Atemnot, Erbrechen, Schwäche) sind sehr selten, aber ein Notfall – suchen Sie dann sofort den Tierarzt auf.

Sprechen Sie mit Ihrem Haustierarzt über einen individuellen Impfplan, der auf die Lebensweise und das Risikoprofil Ihres Hundes zugeschnitten ist. Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht – aber mit diesem Wissen sind Sie gut vorbereitet für das nächste Gespräch in der Praxis.

Dr. Sarah Brinkmann

Über den Autor: Dr. Sarah Brinkmann

Dr. Sarah Brinkmann ist approbierte Tierärztin mit über zwölf Jahren klinischer Erfahrung in einer Kleintierpraxis in München. Sie hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Tiermedizin studiert und sich auf präventive Tiergesundheit und Ernährungsberatung spezialisiert. Bei Pudelschulz verantwortet sie alle Beiträge zu Gesundheit, Impfungen und tierärztlichen Themen – verständlich erklärt für Hundehalter.

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